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Tierra Querida

Nun hab ich endlich etwas mehr Zeit um ausfuehrlicher zu berichten. Also fange ich am besten mal am Anfang an…

Am Donnerstag nachmittag (den 30. November) bin ich mit July, Moni, Jeff und Pedro los gefahren Richtung Bogotá. Wir sind extra einen Tag frueher los um sicher zu gehen, dass wir das Konzert am Freitag abend nicht verpassen – man weiss ja nie.

Nachdem wir ein paar Stunden durch das wunderschoene oestliche Antioquia gefahren sind, kamen wir in einem Tal an, in dem ich zum ersten Mal eine richtige tropische Hitze erlebt habe. Vorbei an der Hacienda von Pablo Escobar und weiter Richtung Cundinamarca. Puenktlich zur Daemmerung und auch noch im heissesten Ort auf der gesamten Strecke hat der kleine Mazda aufgegeben und wir hatten mitten in der Pampa einen Motorschaden.

Wir, die wir alle rein garnichts von Autos verstehen, standen also da. Es war dunkel, es war heiss und niemand kam auf die Idee anzuhalten und zu fragen ob er vielleicht helfen koennte. Eine halbe Stunde spaeter hatte jemand Erbarmen und hat uns geholfen. Waehrend die Herren zwei Stunden am Auto gebastelt haben, wurde ich von den Muecken zerfleischt. Man sagt auch, die Muecken haben hier Zaehne. Ich kann das bestaetigen. Das Auto wieder halbwegs flott und wir sind weiter gefahren.

Circa eine Stunde spaeter, fing das ganze von vorne an. Auto tot, July mit leichter Lebensmittelvergiftung. Es blieb uns nichts anderes uebrig als in einem Dorf namens Honda zu uebernachten. Ein Dorf wie es im Buche steht. Eine sehr merkwürdige Atmosphäre liegt in der Luft. Es ist heiss.

Zu fuenft in einem Zimmer, aber immerhin hat die Nacht jeden nur einen Euro gekostet.

Am naechsten Tag, das Auto endlich repariert, wir wollen unsere Sachen aus dem Zimmer holen – geht die Tuer nicht mehr auf. Nach ueber einer Stunde Verzweiflung und hoffnunglosem probieren kam der Besitzer und machte uns die Tuer mit einem Handgriff auf…wir kamen uns ziemlich daemlich vor.

Auf der Weiterfahrt machte das Auto schon wieder schlapp. Also haben wir gewartet und es spaeter nochmal probiert, es sprang an und lief dann auch bis Bogotá, allerdings nur ohne anzuhalten. An jeder Ampel haben wir gehofft und gebetet. Auf der Autobahn haetten wir fast einen Leguan ueberfahren, aber der war zum Glueck schneller als wir.

Apropos Autobahn – ein reinstes Vergnügen 😉

Aus den geplanten 8 Stunden sind also 30 geworden und wir haben es gerade noch so zum Konzert geschafft. Das war uebrigens toll, wenn wir auch alle ziemlich kaputt waren. Es ist kalt in Bogotá.

Am Samstag habe ich Raùl getroffen und er hat mich und Moni durch das Zentrum gefuehrt. Im Gold Museum waren wir auch. Wirklich beeindruckend.

Am Sonntag bin ich dann mit dem Bus in den Norden gefahren und wurde herzlichst von Felipe begruesst. Wir haben uns 3 Tage gemeinsam die Stadt angeschaut, es war ein tolles Wiedersehen. Er war sehr froh nach 3 Jahren endlich wieder in Bogotá zu sein und ich habe viele Freunde und Familie kennengelernt.

Bogotá ist so kontrastreich wie wohl kaum eine andere Stadt. Hier gibt es den Praesidentenpalast und 2 Blocks weiter eines der schlimmsten Armenviertel und eine der wohl gefaehrlichsten Strassen der Welt. Das haben wir auch am eigenem Leib erfahren. Wir standen an der Ampel, zwischen tausenden von Autos und ploetzlich versuchte eine merkwuerdige Gestalt uns den Blinker abzumontieren. Wir haben ihn gefragt was das soll, er riss uns den Seitenspiegel ab und rann weg. Willkommen in der Realitaet.

Bogotá ist eine wunderbare Stadt. Sie ist verrueckt, laut, chaotisch, wunderschoen, ausgesprochen haesslich, arm, und doch so reich. Es ist alles auf einmal, so paradox, so liebenswuerdig und doch zerreisst sie einen innerlich. Es ist ein Monstrum, aber ich habe mich dort sehr wohl gefuehlt. Das lag aber sicherlich auch daran, dass ich sie durch Felipe’s Augen sehen durfte.

Ich habe die Stadt mit einem Hauch Sentimentalitaet verlassen, ich waere gerne noch geblieben, und war doch froh ihr zu entkommen. Die Fotos vom ersten Teil der Reise kommen später, die sind auf Felipe’s Computer in Bogotá.

Am Mittwoch bin ich nach Manizales gefahren und Alina, Criss und ich haben uns am naechsten Tag eine Finca in Chinchina angeschaut, dort wo der angeblich beste Kaffee der Welt produziert wird. Ich muss zugeben, ich habe noch nie besseren Kaffee getrunken. Es ist interessant wie das alles produziert wird und Kaffeebohnen vom Strauch schmecken übrigens wie Zucker.

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Im Bus nach Chinchina, das Dorf (ziemlich hässlich) und das Trocknen von Kaffeebohnen.

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Am nächsten Tag haben wir unsere Tour in die Höhen der Anden gemacht (siehe letzter Beitrag).

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Die wenigen, die es bis auf 5140m geschafft haben und echter kolumbianischer Schnee, für Criss übrigens ganz was Neues.

Am nächsten Tag sind wir mit dem Bus weiter nach Salento gefahren, ein kleines, hübsches, verschlafenes Dorf etwas weiter südlich. Hier ist es als wäre die Zeit stehen geblieben. Ganz wunderbar, aber nach ein paar Tagen reicht es auch, denn man kann wirklich nichts machen außer wandern. Das haben wir auch getan und zwar zum Valle de Cocora, ein Tal übersäht mit riesigen Palmen, ich glaube einzigartig. Was für ein Anblick!
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Eine Riesenspinne (tellergroß), eine Baby-Tarantel und eine tote Schlange haben wir auch gesehen. Wir haben zufällig auch eine Extrem-Tour durch den Dschungel gemacht. Wir sind einen Tag einfach ein bisschen Richtung Tal gelaufen und haben einen Einheimischen gefragt ob es nicht zufällig einen Wasserfall in der Nähe gäbe. Der war ganz überrascht, weil es einen gibt, den aber niemand kennt weil er auf einem Privatgrundstück ist. Er hat und den Weg zu dem Besitzer beschrieben und gesagt wir sollten doch einfach mal fragen.

Bei dem Haus angekommen, fing es an zu regnen. Wir wurden sofort in das Haus eingeladen, haben Kaffee getrunken und Platano mit Käse gegessen (alles aus eigener Produktion). Das sind noch richtige Selbstversorger.

Nach dem Regen sollten wir dem Herren des Hauses folgen um uns den Wasserfall anzuschauen. Ich hatte mich schon gefragt warum er eine Machete mitnimmt, aber die Frage hat sich auch bald erübrigt. Es gab keinen Weg. Purer Dschungel. Die Erde nass, die Steine glitschig, der Hang sehr steil.

Er schlug uns also einen Weg frei und wir haben uns förmlich von Pflanze zu Pflanze gehangelt. Wir hatten wirklich Angst. Vor allem weil sich jede Pflanze an der ich mich zwischenzeitlich festgehalten habe, jederzeit eine Schlange hätte sein können.

Der Wasserfall war hübsch, aber der eigentliche Weg dahin stellt sich als die extremste Wanderung meines Lebens heraus. Im Nachhinein wars toll, dass wir es gemacht haben, aber zwischendurch wurde mir schon wirklich anders. Danach sahen wir drei auch sehr abenteuerlich aus 🙂
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Am nächsten Tag ging es zurück nach Medellín und wir waren mit meinen Leuten lecker Pasta essen und haben uns die berühmten Weihnachtslichter angeschaut. Auf dem Foto sieht es leider lange nicht so beeindruckend aus. Die können schon wirklich übertreiben hier…

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Am nächsten Tag ging es mit Amalia (einer sehr netten Israelin, die ich in Salento kennegelernt habe) nach El Penol auf den Guatape Felsen. Das ist ein 200m hoher Felsen, der dem Zuckerhut sehr ähnlich sieht. Von dort aus ist der Ausblick einfach fantastisch.

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Am Freitag ist unser gesamtes Büro umgezogen und ich gleich mit. Wir haben jetzt also ein ganzes Haus: unten Büro, oben Wohnung. Alles ganz wunderbar! Im Moment gibt es noch viel zu tun, ich freue mich sehr auf die kommenden paar Monate. Arbeit von zuhause aus – es könnte garnicht besser sein!

Seid lieb gegrüßt!

3 replies on “Tierra Querida”

super, wie Du das alles beschrieben hast.
Wir beneiden Dich um Deine Erlebnisse.
Wenn auch ein bisschen Angst um Dich.

Viele Grüße

Vati und Mutti

hallo… war wie ein eigener kleiner urlaub, deine beschreibungen-könntest ja einen reiseführer für abenteurer schreiben 🙂 sehr aufregend, auch die fotos sind toll!! ich wünsch dir jetzt noch ne schöne zeit!! freu mich auf weitere berichte!
alles liebe. bis demnächst! Jana

hey anne, das klingt ja echt super toll! ich bin auch gerade etwas in versuchung geraten, neidisch zu werden 😉

liebe grüße aus köln,
jannis

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