Dieses Wochenende haben wir wieder auf der Finca verbracht. Wir sind Freitag abend los gefahren – geplant war um 6, los gekommen sind wir kurz nach 9. Eine knappe Stunde Fahrt und wir wurden gleich zwei mal angehalten. Zur kurzen Erklärung: auf den Landstraßen stehen hier circa jeden Kilometer Militärs um die Straßen zu sichern. Die Kolumbianer fühlen sich dadurch wesentlich sicherer, ich habe mich noch nicht daran gewöhnt alle paar Minuten schwer bewaffnete Soldaten zu sehen. Das geht auch nicht weg wenn man 1000 Kalaschnikovs gesehen hat. Ich bin eben durch und durch Pazifist. Aber ich habe es mir abgewöhnt zu starren. Diesbezüglich wurde ich nämlich gleich am Flughafen in Bogotá von Raul zurecht gewiesen, als ich es mir nicht verkneifen konnte die Polizisten zu mustern und wir uns fast eine Komplett-Filzung eingehandelt hätten.
Wir wurden also das erste Mal angehalten, der Typ wollte uns erzählen Marcela’s Ausweis wäre abgelaufen und hat erbittert versucht uns irgendwelche Probleme anzudichten. Marcela hat sehr lange mit ihm diskutiert – in ruhigem Ton – versteht sich. Was macht man auch sonst wenn man ein Maschinengewehr anschaut. Im Endeffekt wollte der Mann nur Geld und hat deshalb versucht irgendwelche Probleme zu erfinden. Bekommen hat er aber nichts 😉
Wir dachten das wärs erstmal und keine zehn Minuten später wurden wir schon wieder angehalten! Diesmal musste Jeff aussteigen, wurde ordentlich gefilzt und unser Kofferraum auch. Dann durften wir zum Glück weiter fahren.
Am Samstag haben wir uns einen netten Tag am Pool gemacht und abends Marcela’s Geburtstag gefeiert. Mit Fondue und Tequila. Es war eine gute Party, obwohl nur zu sechst. Die Mädels haben mir beigebracht zu Vallenato zu tanzen (oder zumindest versucht es mir beizubringen). Der Tequila hat mir den schlimmsten Kater meines Lebens verpasst und wir haben alle den halben Sonntag im Bett verbracht. Den Rest des Wochenendes haben wir am Pool verbracht und ich habe ordentlich viel Mandarinensaft gemacht. Die haben mich schon alle ausgelacht, aber ich muss es ja nutzen wenn man schon mal frisches Obst vor seiner Nase hat. Ich habe also gut 200 Mandarinen ausgepresst (nicht nur für mich) und dann herrlich geschlemmt. Was für ein Genuss!
Lustige Tiere gibt es hier auch. Auf dem Land sollte man keine Angst vor Viehzeug haben, denn es gibt unglaublich viel davon, vor allem weil die Häuser größtenteils ohne Fensterscheiben gebaut sind. Mich fasziniert ja die Artenvielfalt. Die lustigsten Käfer sag ich euch! Dann gibt es hier noch Super-Ameisen. Die sind ungefähr 2cm groß, beißen tun zum Glück nur die mit rotem Kopf. Liz hatte eine Echse in ihrem Bett, wohl eines der schönsten Tiere die ich jemals gesehen habe. Sie war ungefähr einen Zentimeter groß, alles filigran ausgebildet und hatte eine samtartige blau-grau gefleckte Haut. Sah aus wie eine Kreuzung aus Krokodil und Hai aber eben im Miniaturformat. Wir hatten auch irgendein Vieh im Schlafzimmer, so groß wie meine Hand und angeblich sticht es. Wir sind es zum Glück los geworden, sonst hätte ich keine ruhige Nacht verbracht. Ach und eine Menge Fledermäuse gibt es auch. Schlangen und giftige Spinnen sind mir zum Glück nicht begegnet. Es reicht zu wissen, dass es sie gibt.
Auf dem Weg zurück nach MedellÃn hatten wir einen Schutzengel. Wir befinden uns in einem geologisch unstabilen Gebiet, entlang der Landstraße liegt überall Schutt herum weil sich immer wieder Felsen und Erde lösen. Bei uns dürfte man solche Straßen garnicht befahren – hier sind es Hauptverkehrsadern. Auf jeden Fall gab es 5 Autos vor uns einen riesigen Erdrutsch. 10 Sekunden später und es hätte uns erwischt und das Schlimmste ist, dass neben uns ein vollbesetzter Bus fuhr. Ich denke nicht, dass es Verletzte gab, aber wir haben alle einen ordentlichen Schrecken bekommen.
Alles in allem ein erlebnisreiches Wochenende und ich freue mich darauf bald endlich mehr von Kolumbien zu erkunden!
Hasta Luego!